4. Die Finte
5. Der Stil
1. Der Konter
3. Der Haken
2. Der Kopfstoss
Sie laufen abends nur ungern allein durch die Stadt? Aus Angst vor Pöbeleien von Halbstarken? Dann sind Sie hier richtig.

Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit den Typen fertig werden. Fünf Techniken für den verbalen Straßenkampf.
Von MEHMET ATA
3. Der Haken: Geizen Sie nicht mit Infinitiven
Außerhalb des Dudens fristet der Infinitiv ein klägliches Dasein. Das ist ein schwerer Fehler! Denn der Infinitiv ist in Wirklichkeit der bessere Imperativ. Ein „Pass mal auf!“ ist im Zweifel zu gewöhnlich, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Und es kann je nach Betonung als Einleitung zu einem väterlichen beziehungsweise mütterlichen Rat verstanden werden.

Vermeiden Sie Missverständnisse. Sagen Sie lieber: „Aufpassen!“ So signalisieren Sie, dass Sie nicht gewillt sind, zu vieleWorte zu verlieren. Auch gut: „Mund halten!“ oder „Weitergehen!“. Schicken Sie im nächsten Moment ruhig ein „Achtung“ hinterher. Das strahlt deutsche Härte aus.

Wenn Sie Glück haben, fühlt sich Ihr Gegenüber an seinen letzten Besuch bei einer Behörde oder an eine Dokumentation bei ZDF History erinnert und wird plötzlich brav. Antwortet er aber mit einem „Was aufpassen?“, orientieren Sie sich an Regel 1.
5. Der Stil: Vermeiden Sie Fehler
Die hier vorgestellte Asi-Kommunikation ist ein Ritt auf der Rasierklinge. Schnell hat man sich lächerlich gemacht.

Kommen Sie bloß nicht auf die Idee, irgendeinen Akzent nachzumachen. Auf keinen Fall! „Isch mach disch platt!“ wirkt albern. Verzichten Sie auch auf Wörter wie „Habibi“ oder „wallah“, weil Sie die für besonders orientalisch oder cool halten. Oder weil Sie der Meinung sind, so besser verstanden zu werden. Es geht nicht um Verständigung, kapieren Sie das!
Australien
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1. Der „Was“ Konter
Sie glauben an die Macht der Argumente, an Dialog und Konfliktlösung? Seien Sie nicht so naiv! Auf eine Provokation müssen Sie mit einer Gegenprovokation reagieren. Zeigen Sie Stärke. Das ist einfacher, als Sie glauben. Folgende Strategie funktioniert immer:

Wiederholen Sie den Satz Ihres Gegenübers,und stellen Sie ein „Was“ davor. Beispiel: Sie stehen abends an der Bushaltestelle, und ein komischer Typ spricht Sie von der Seite an. „Ey, du siehst ja scheiße aus!“ Dann antworten Sie: „Was ich sehe scheiße aus?“ Damit spielen Sie den Ball zurück. Noch besser ist aber die Antwort: „Was scheiße aussehen?“ Das irritiert Ihr Gegenüber besonders, weil es keine echte Frage ist. Der Provokateur wird überfordert sein und erst mal nicht wissen, was er antworten soll. Sie nutzen diese Gelegenheit für einen eigenen Angriff: „Guck dich mal an!“ Damit ist die Irritation perfekt. Denn niemand kann sich selbst angucken. Scheuen Sie auch keine Wortwiederholungen. Sie sind nicht im Deutschunterricht. Auf ein „Was soll das?“ können Sie ruhig mit „Was was soll das?“ reagieren. Grammatik wird überschätzt.

Die Was-Strategie birgt aber die Gefahr eines Teufelskreises. Bleiben wir beim Beispiel. Sie langweilen sich, weil der Bus Verspätung hat. Ihr Blick schweift durch die Gegend und trifft sich mit dem eines jungen Mannes. Sie halten einen Moment zu lange Blickkontakt, er fühlt sich provoziert. Er fragt: „Was?“ Sie antworten mit: „Was was?“ Spätestens beim „Was was was?“ sollten Sie das Spiel abbrechen oder die Strategie wechseln.
2. Der Kopfstoss: Beleidigen will gelernt sein
Kein guter Streit kommt ohne Beleidigungen aus. Es geht darum, den Gegner an seiner schwächsten Stelle zu treffen. Da bietet sich die Familie an.

Was viele nicht wissen: Im Türkischen kann man sehr gut den Vater beleidigen. „Du Sohn eines Zuhälters“ bietet sich da an. Aber in Deutschland (und auf Deutsch) ist Zuhälter eine zu schwache Beleidigung. Bei den liberalen Prostitutionsgesetzen hierzulande gilt ein Zuhälter doch als ein gutverdienender Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitszeiten und attraktiven Angestellten. „Du Sohn eines Esels“ ist in der Türkei ebenfalls angesagt, aber auch das zieht in Deutschland nicht.

Bleibt also nur noch die Mutter. Aber Vorsicht, damit erreichen Sie sofort die höchste Eskalationsstufe! Beschimpfen Sie die Mutter nur, wenn Sie es auf eine körperliche Auseinandersetzung abgesehen haben. Wie Sie beleidigen, ist Ihnen überlassen. Im Zweifelsfall reicht einfach „Deine Mutter!“. Albaner beleidigen angeblich gerne die Tante des Gegenübers. Denn die Mutter ist heilig und damit unangreifbar, aber irgendeine Frau aus der Familie muss man im Streit beschimpfen. Problem: Der verbale Tanten-Angriff hat sich in Deutschland noch nicht durchgesetzt, er könnte also zu Irritation führen (was in diesem Fall nicht wünschenswert ist).
Verzichten Sie auf ausländerfeindliche beziehungsweise rassistische Beleidigungen. Das ist nicht cool und bringt nur die Menschen, die um Sie herum stehen, gegen Sie auf.
Russland
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4. Die Finte: So funktioniert Deeskalation
Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Gegenüber will nur etwas rumstressen (wichtiges Wort, merken!) und ist nicht an einem ernsten Streit interessiert, können Sie versuchen zu deeskalieren. Aber auch dabei müssen Sie unbedingt Stärke zeigen. Seien Sie auf keinen Fall verständnisvoll.

So geht es: Ein Typ rempelt Sie absichtlich an. Sie rufen ihm zu: „Geh mal weiter!“ Währenddessen gehen Sie selbst langsam weiter. Wenn Sie sich stark fühlen, können Sie auch „Geh mal weiter, Junge“ sagen. Wichtig: Unterdrücken Sie in diesem Moment den Deutschen in sich. Schieben Sie kein „jetzt aber hurtig“ hinterher. Das würde Ihre neu gewonnene Autorität untergraben.